Fünftelregelung bei einer Abfindung
Geprüft durch spezialisierte Anwälte für Arbeitsrecht · Stand: Juni 2026
Inhaltsverzeichnis
Mit der sogenannten Fünftelregelung nach § 34 Einkommensteuergesetz (EStG) lässt sich diese Belastung oft deutlich senken. In diesem Beitrag zeigen wir dir verständlich, wie die Fünftelregelung funktioniert, wann sie angewendet werden kann und welche typischen Fehler du vermeiden solltest.
Was ist die Fünftelregelung nach § 34 EStG eigentlich?
Die Fünftelregelung ist ein besonderer Einkommensteuertarif für sogenannte außerordentliche Einkünfte. Dazu gehören insbesondere bestimmte Abfindungen, Entschädigungen und Vergütungen für mehrjährige Tätigkeiten. Hintergrund ist, dass bei einer hohen Einmalzahlung der progressive Steuertarif stärker zuschlägt, als wenn sich dieselbe Summe auf mehrere Jahre verteilt hätte. Die Fünftelregelung simuliert daher vereinfacht eine Verteilung auf fünf Jahre, ohne dass du das Geld tatsächlich in Raten bekommen müssen. Steuerlich wird so gerechnet, als würdest du fünf Jahre lang jeweils ein Fünftel der Abfindung erhalten; die Steuerersparnis ergibt sich aus dem dadurch niedrigeren Durchschnittssteuersatz. Ob die Fünftelregelung im Einzelfall zu einer Entlastung führt, muss immer konkret berechnet werden.
Wie funktioniert die Fünftelregelung rechnerisch?
Die technische Berechnung ergibt sich aus § 34 Abs. 1 EStG und wirkt auf den ersten Blick kompliziert, läuft aber immer nach demselben Schema ab. Zunächst wird Ihre normale Einkommensteuer ohne Abfindung ermittelt (verbleibendes zu versteuerndes Einkommen). Anschließend wird ein Fünftel der Abfindung hinzugerechnet und die Steuer auf dieses erhöhte Einkommen berechnet. Die Differenz zwischen beiden Steuerbeträgen wird mit fünf multipliziert – das Ergebnis ist die auf die gesamte Abfindung entfallende Steuer. Durch dieses Verfahren steigt Ihr Steuersatz auf die Abfindung weniger stark, als wenn die gesamte Summe auf einmal besteuert würde. Das Finanzamt oder Ihr Steuerprogramm nimmt diese Rechenschritte automatisch vor, wenn die Voraussetzungen der Fünftelregelung erfüllt sind.
Wann gilt eine Abfindung als außerordentliche Einkunft?
Nicht jede Zahlung, die Ihr Arbeitgeber „Abfindung“ nennt, wird automatisch steuerlich begünstigt. Die Fünftelregelung setzt voraus, dass es sich steuerlich um eine Entschädigung im Sinne des § 24 Nr. 1 EStG oder um eine Vergütung für eine mehrjährige Tätigkeit gemäß § 34 Abs. 2 Nr. 2 oder 4 EStG handelt. Bei Abfindungen im Arbeitsrecht geht es in der Regel um eine Entschädigung für entgehende Einnahmen aufgrund der Beendigung des Arbeitsverhältnisses. Die Zahlung muss also wirtschaftlich den Wegfall künftigen Arbeitslohns ausgleichen und darf nicht bloß eine freiwillige Bonuszahlung ohne Bezug zur Beendigung sein. Außerdem verlangt die Rechtsprechung, dass die Abfindung zusammengeballt in einem engen zeitlichen Zusammenhang mit der Beendigung des Arbeitsverhältnisses zufließt. Wird eine vermeintliche Abfindung nur als versteckter laufender Arbeitslohn gestaltet, kann die Fünftelregelung versagt werden.
Voraussetzungen der Fünftelregelung bei Abfindungen
Für die Anwendung der Fünftelregelung müssen mehrere Punkte erfüllt sein. Erstens muss die Zahlung eine echte Entschädigung für entgangene oder entgehende Einkünfte sein, typischerweise für den Verlust des Arbeitsplatzes. Zweitens muss ein sogenannter Zusammenballungseffekt vorliegen: Die Entschädigung wird im Wesentlichen in einem Veranlagungszeitraum (Kalenderjahr) ausgezahlt und erhöht dadurch Ihr Einkommen in diesem Jahr deutlich gegenüber den Vorjahren. Drittens darf es sich nicht nur um die Nachzahlung bereits fälliger Lohnansprüche oder laufenden Gehalts handeln. Viertens darf die Abfindung nicht in viele größere Teilbeträge über mehrere Jahre aufgespalten werden, weil sonst die Zusammenballung entfällt. Ob diese Voraussetzungen erfüllt sind, prüft das Finanzamt im Steuerbescheid; eine sorgfältige Gestaltung des Aufhebungsvertrags oder des Vergleichs ist daher entscheidend.
Zeitpunkt der Zahlung: Wann ist die Fünftelregelung möglich?
Entscheidend ist nicht der Zeitpunkt der Kündigung, sondern der tatsächliche Zufluss der Abfindung auf Ihrem Konto. Die begünstigte Besteuerung nach der Fünftelregelung ist grundsätzlich nur möglich, wenn die Abfindung im Jahr der Beendigung des Arbeitsverhältnisses oder in einem engen zeitlichen Zusammenhang dazu vollständig zufließt und eine Zusammenballung der Einkünfte eintritt. Die Rechtsprechung erkennt in bestimmten Fällen auch eine Aufteilung an, wenn ein kleiner Teilbetrag in einem anderen Jahr zufließt und im Verhältnis zur Hauptleistung geringfügig ist, wie der Bundesfinanzhof entschieden hat. Lass dich aber nicht dazu hinreißen, die Abfindung „aus Bequemlichkeit“ über mehrere Jahre in ähnlich hohen Raten auszahlen zu lassen; dann geht die Tarifbegünstigung in der Regel verloren. Für Arbeitnehmer mit niedrigeren Einkünften im Abfindungsjahr kann es im Einzelfall auch sinnvoll sein, den Zufluss bewusst in ein Jahr mit geringeren sonstigen Einkünften zu legen, um den Steuervorteil zu maximieren.
Mehrjährige Tätigkeit: Fünftelregelung auch ohne Abfindung
Die Fünftelregelung gilt nicht nur bei klassischen Abfindungen, sondern auch bei bestimmten Vergütungen für eine mehrjährige Tätigkeit. Eine Tätigkeit ist nach § 34 Abs. 2 Nr. 4 EStG mehrjährig, wenn sie sich über mindestens zwei Veranlagungszeiträume erstreckt und mehr als zwölf Monate umfasst. Nach der Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs kann dazu auch Arbeitslohn gehören, der für einen längeren Zeitraum nachträglich in einer Summe ausgezahlt wird, etwa weil Bonuszahlungen angesammelt und später auf einmal gezahlt werden. Voraussetzung ist, dass wirtschaftlich vernünftige Gründe für die zusammengeballte Entlohnung vorliegen und keine missbräuchliche Steuergestaltung beabsichtigt ist. Gerade bei außerordentlichen Bonus- oder Tantiemezahlungen kann es sich lohnen, prüfen zu lassen, ob eine ermäßigte Besteuerung nach der Fünftelregelung möglich ist.
Typische Gestaltungsfehler bei Abfindungen und Fünftelregelung
In der Praxis beobachten wir immer wieder ähnliche Fehler, die den Steuervorteil kosten können. Häufig ist die Abfindungsvereinbarung im Aufhebungsvertrag zu ungenau formuliert und stellt nicht klar, dass die Zahlung als Entschädigung für entgehende Einnahmen wegen der Auflösung des Arbeitsverhältnisses gewährt wird. Ebenfalls problematisch sind Konstruktionen, bei denen laufender Lohn, Boni oder Überstundenvergütungen als Bestandteil der Abfindung deklariert werden, um scheinbar die Fünftelregelung zu nutzen. Daneben werden Abfindungen oft unnötig in mehrere größere Raten aufgeteilt, obwohl eine Einmalzahlung steuerlich günstiger gewesen wäre. Ein weiterer Fehler besteht darin, sich allein auf die Lohnabrechnung des Arbeitgebers zu verlassen; die endgültige Steuerfestsetzung trifft das Finanzamt im Einkommensteuerbescheid, und dort kann die Fünftelregelung auch nachträglich noch abgelehnt oder korrigiert werden. Eine rechtzeitige, saubere Gestaltung und Dokumentation ist daher wichtiger als jede spätere „Rettung“ im Einspruchsverfahren.
Wie du die Fünftelregelung praktisch nutzt
Die Fünftelregelung ist ein wirkungsvolles Instrument, um die Steuerlast auf eine Abfindung oder andere außerordentliche Einkünfte deutlich zu reduzieren. Voraussetzung ist aber, dass die rechtlichen Rahmenbedingungen von Anfang an richtig beachtet werden: klare Formulierungen im Aufhebungsvertrag, ein geplanter Auszahlungszeitpunkt und eine saubere Trennung von laufendem Arbeitslohn und echter Entschädigung.
Häufig gestellte Fragen
Eine Abfindung ist steuerlich begünstigt, wenn sie eine echte Entschädigung für entgangene oder entgehende Einkünfte darstellt. Typisch ist der Ausgleich für den Verlust des Arbeitsplatzes aufgrund einer Kündigung oder eines Aufhebungsvertrags. Die Zahlung muss im Wesentlichen zusammengeballt in einem Veranlagungszeitraum zufließen und darf nicht nur versteckter laufender Arbeitslohn sein. Ob diese Voraussetzungen erfüllt sind, ergibt sich vor allem aus der Formulierung des Vertrags und der konkreten Auszahlungsgestaltung.
Die Fünftelregelung führt häufig, aber nicht immer, zu einer Steuerersparnis. Sie wirkt besonders vorteilhaft, wenn die Abfindung hoch ist und neben weiteren Einkünften zufließt, sodass ohne Begünstigung ein hoher Spitzensteuersatz greifen würde. Bei eher geringen Abfindungen oder sehr niedrigen sonstigen Einkünften kann der Unterschied zur normalen Besteuerung jedoch gering sein.
Werden wesentliche Teile der Abfindung in mehrere Jahre verteilt, kann der für die Fünftelregelung notwendige Zusammenballungseffekt entfallen. Dann behandelt das Finanzamt die Zahlungen oft wie normalen Arbeitslohn, und die Tarifbegünstigung geht verloren. Nur in Ausnahmefällen akzeptiert die Rechtsprechung eine kleine Nebenleistung in einem anderen Jahr, wenn sie im Verhältnis zur Hauptzahlung eindeutig geringfügig ist.
Die Fünftelregelung ist eine gesetzliche Berechnungsmethode und muss nicht ausdrücklich im Vertrag erwähnt werden. Wichtig ist aber, dass der Vertrag den Charakter der Zahlung als Entschädigung für den Verlust des Arbeitsplatzes klar beschreibt. Dazu gehört ein eindeutiger Bezug zur Beendigung des Arbeitsverhältnisses und zu den entgehenden Lohnansprüchen. Eine saubere Formulierung stärkt Ihre Position gegenüber dem Finanzamt und erhöht die Chancen, dass die Fünftelregelung später anerkannt wird.
Ja, das Finanzamt ist an die Lohnabrechnung des Arbeitgebers nicht gebunden und kann die Fünftelregelung im Steuerbescheid korrigieren. Stellt es fest, dass die Voraussetzungen für außerordentliche Einkünfte oder für die Zusammenballung nicht vorlagen, wird die Abfindung nachträglich regulär besteuert. In der Folge können erhebliche Steuernachzahlungen entstehen.
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